Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein nachtaktiver Schmetterling, dessen Raupen an Eichen leben. Bekannt ist die Art vor allem wegen ihrer Raupen: Sie ziehen in langen Reihen, der typischen Prozession im Gänsemarsch, über Stämme und Äste und bauen auffällige graue Gespinstnester. Die Art ist wärmeliebend und hat sich in den letzten Jahren in fast ganz Deutschland ausgebreitet, begünstigt durch milde Winter und trockene Frühjahre.
Lebenszyklus und Saison
- April bis Mai: Die Raupen schlüpfen aus den überwinterten Eiern und beginnen, an den Eichenblättern zu fressen.
- Ab dem dritten Larvenstadium (etwa Mai): Die Raupen bilden die gefährlichen Brennhaare aus. Ab jetzt besteht ein Gesundheitsrisiko.
- Mai bis Juli: Hauptaktivität der Raupen, Prozessionen und Nestbau. Dies ist die kritischste Zeit.
- Juli bis September: Die Falter schlüpfen und fliegen nachts. Die Falter selbst sind harmlos.
Wichtig: Die Brennhaare bleiben in den alten Gespinstnestern jahrelang aktiv. Auch leere Nester aus dem Vorjahr sind daher noch ein Risiko.
Wie erkenne ich ihn?
Die Raupen sind graubraun mit dunklem Rückenstreifen und dicht behaart. Charakteristisch sind die langen, weißlichen Brennhaare und die Bewegung in Prozession. Die Gespinstnester sitzen meist am Stamm oder in Astgabeln von Eichen, oft in 0,5 bis 4 Metern Höhe. Eine ausführliche Anleitung mit Verwechslungsarten findest du unter Eichenprozessionsspinner erkennen.
Verbreitung in Deutschland
Der Eichenprozessionsspinner ist heute in fast allen Bundesländern nachgewiesen. Besonders betroffen sind Regionen mit vielen Eichen und warmem, trockenem Klima:
- Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen: langjährige Schwerpunkte mit starkem Befall.
- Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin: große Befallsdichte im Osten und in den Sandgebieten.
- Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg: verbreitet entlang warmer Tieflagen.
- Bayern und Thüringen: regional steigende Funde.
Die aktuelle Lage siehst du auf der interaktiven Befallskarte oder gefiltert nach Bundesland.
Warum ist er ein Problem?
Anders als viele andere Raupen gefährdet der Eichenprozessionsspinner vor allem die menschliche Gesundheit. Die Brennhaare enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein und können Hautausschlag, Juckreiz, Augen- und Atemwegsreizungen auslösen. Deshalb werden befallene Bäume an Spielplätzen, Schulen, Kitas, Parks und Radwegen oft gesperrt. Für die Eichen selbst ist der Frassschaden meist verkraftbar, geschwächte Bäume können aber anfälliger für Folgeschäden werden.
Was tun bei einem Fund?
- Abstand halten und Raupen oder Nester nicht berühren.
- Kinder und Haustiere fernhalten.
- Befall an öffentlichen Bäumen, Spielplätzen oder Schulen der Kommune (Grünflächenamt oder Ordnungsamt) melden.
- Auf dem eigenen Grundstück einen Fachbetrieb beauftragen, nicht selbst entfernen.
- Den Fund zusätzlich hier auf der Karte melden, damit andere gewarnt sind.
Mehr dazu unter Gefahr und Symptome und Bekämpfung.
Häufige Fragen
Ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
Die Raupen selbst stechen oder beißen nicht, aber ihre Brennhaare können allergieähnliche Reaktionen der Haut, Augen und Atemwege auslösen. Bei stärkeren Beschwerden solltest du Arzt oder Apotheke aufsuchen.
Wann ist die gefährlichste Zeit?
Von Mai bis Juli, wenn die Raupen ihre Brennhaare tragen und in Prozession unterwegs sind. Alte Nester bleiben aber das ganze Jahr und über mehrere Jahre ein Risiko.
Muss ich einen Befall melden?
Auf öffentlichem Grund ist die Kommune zuständig, eine Meldung dorthin ist sinnvoll. Auf der Karte hier hilft deine Meldung, einen Überblick über die Ausbreitung zu schaffen.