EPS-Saison 2026: Befall vielerorts verdreifacht
7. Juli 2026
Der Sommer 2026 entwickelt sich für viele deutsche Kommunen zu einer der intensivsten Eichenprozessionsspinner-Saisons der vergangenen Jahre. Fachleute räumen offen ein, dass sie diese starke Ausbreitung nicht vorhergesehen haben. Als Hauptursache gilt der Witterungsverlauf: Deutschland war in diesem Jahr überdurchschnittlich warm, sonnig und vor allem im April auffällig trocken, genau die Bedingungen, unter denen sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners besonders gut entwickeln.
Wo der Befall sich verdreifacht hat
Besonders deutlich wird die Zunahme in Coburg in Bayern, wo von einer extremen Ausbreitung berichtet wird. Auch im Rheingau in Hessen, konkret im Oestrich-Winkeler Wald, hat sich die Situation gegenüber den Vorjahren stark verschärft. Im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen sind in der Samtgemeinde Bardowick inzwischen tausende Bäume befallen, und auch der benachbarte Landkreis Harburg meldet eine deutliche Zunahme. In Brandenburg ist der Befall mittlerweile flächendeckend, und auch in mehreren Berliner Bezirken werden befallene Bäume gemeldet. An einigen Standorten am Oberrhein befinden sich die Raupen bereits im sechsten und letzten Larvenstadium, in dem sie die meisten und gefährlichsten Brennhaare tragen.
Nicht überall ist das Bild gleich: Düsseldorf und München melden bislang nur minimal befallene Gebiete. Das liegt nach Einschätzung von Fachleuten aber auch an unterschiedlichen Erfassungsmethoden zwischen den Kommunen, nicht zwangsläufig an einer tatsächlich geringeren Populationsdichte.
Warum ausgerechnet dieses Jahr
Der Eichenprozessionsspinner profitiert von milden Wintern und warmen, trockenen Frühjahren. Beide Bedingungen waren 2026 gegeben. Ein warmer April sorgt dafür, dass die Eier früher und gleichmäßiger schlüpfen und die Raupen sich schneller durch ihre Entwicklungsstadien bewegen. Trockenheit begünstigt zusätzlich das Überleben der jungen Raupen, die unter feuchten Bedingungen anfälliger für Pilzinfektionen sind. Die Kombination aus beidem erklärt, warum Kommunen in mehreren Bundesländern gleichzeitig von einer Verdreifachung des Befalls im Vergleich zu den Vorjahren berichten.
Spielplätze und Sportanlagen gesperrt
Als direkte Reaktion auf den starken Befall haben mehrere Berliner Bezirke Spielplätze und Sportanlagen in der Nähe befallener Eichen vorsorglich gesperrt. Das Ziel ist, Kinder und Sportler von Bereichen fernzuhalten, in denen Brennhaare durch Wind oder Berührung aufgewirbelt werden können. Solche Sperrungen sind in Jahren mit starkem Befall keine Seltenheit, doch die Zahl der betroffenen Standorte liegt 2026 vielerorts deutlich höher als in den vergangenen Sommern.
Wie Kommunen den Befall bekämpfen
Die eingesetzten Methoden unterscheiden sich je nach Region und Ausmaß des Befalls deutlich. In Berlin-Siemensstadt werden Raupen und Nester teilweise abgeflammt. Im Landkreis Lüneburg kommen sowohl Nematoden-Spritzmittel als auch das direkte Absaugen von Nestern zum Einsatz, während im Landkreis Harburg Pflanzenschutzmittel verwendet werden. In Brandenburg werden Bakterienpräparate großflächig per Hubschrauber ausgebracht, eine Methode, die vor allem bei flächendeckendem Befall über große Waldgebiete zum Einsatz kommt. Die Stadt Dessau-Roßlau plant für den Einsatz von Hubschraubern und Drohnen in diesem Jahr rund 200.000 Euro ein, ein Betrag, der die Dimension des diesjährigen Problems verdeutlicht.
Diese Bandbreite an Methoden zeigt, dass es keine einheitliche Lösung gibt. Nematodenpräparate und Bakterienmittel wie Bacillus thuringiensis wirken am besten, wenn sie früh im Larvenstadium eingesetzt werden, während das Absaugen und Abflammen eher bei bereits ausgewachsenen Nestern zum Einsatz kommt.
Was das für Anwohner bedeutet
Für Anwohner in den betroffenen Regionen ändert sich vor allem eines: höhere Wachsamkeit ist in diesem Sommer besonders wichtig. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können bei Kontakt Hautreizungen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden auslösen, auch ohne dass man die Raupen direkt berührt, denn die feinen Härchen können sich bereits bei Wind über größere Distanzen verteilen. Wer in einer Region mit gemeldetem starkem Befall wohnt, sollte befallene Eichen und deren unmittelbare Umgebung meiden, Hunde beim Spaziergang an der Leine führen und Kinder von gesperrten Bereichen fernhalten.
Alle Merkmale zur sicheren Erkennung der Raupen und ihrer charakteristischen Gespinstnester findest Du auf unserer Seite Eichenprozessionsspinner erkennen. Welche Symptome ein Kontakt mit den Brennhaaren auslösen kann und wann Du ärztliche Hilfe suchen solltest, erfährst Du unter Gefahr und Symptome. Und falls Du selbst einen Befall entdeckst, egal ob im eigenen Garten oder im öffentlichen Raum, kannst Du das direkt über unsere Meldeseite weitergeben, damit die Meldung auf der Karte sichtbar wird und zuständige Stellen informiert sein können.
Ein Muster, das sich seit Jahren abzeichnet
Die diesjährige Verdreifachung des Befalls in mehreren Regionen ist kein isoliertes Ereignis, sondern reiht sich in einen längerfristigen Trend ein. Seit Jahren beobachten Fachleute, dass sich der Eichenprozessionsspinner in Deutschland weiter nach Norden und in bislang weniger betroffene Regionen ausbreitet. Der Klimawandel gilt dabei als zentraler Treiber: mildere Winter sorgen dafür, dass mehr Eier den Winter überstehen, und warme, trockene Frühjahre wie in diesem Jahr beschleunigen die Entwicklung der Raupen zusätzlich. Wer verstehen möchte, warum sich die Art gerade in den vergangenen Jahren so stark ausgebreitet hat, findet Hintergründe dazu in unserem Artikel Warum breitet sich der Eichenprozessionsspinner so stark aus?.
Für Kommunen bedeutet dieser Trend, dass die diesjährigen Maßnahmen, von Hubschraubereinsätzen bis zu vorsorglichen Spielplatzsperrungen, in den kommenden Jahren eher zur Regel als zur Ausnahme werden könnten. Das unterstreicht auch, warum eine gut gepflegte, aktuelle Übersicht über gemeldete Befallsstellen für Anwohner, Kommunen und Grundstückseigentümer gleichermaßen an Bedeutung gewinnt.
Wann professionelle Bekämpfung sinnvoll ist
Nicht jeder Befall erfordert sofort den Einsatz von Hubschraubern oder professionellen Firmen. Bei einzelnen Nestern in Gärten oder an frei zugänglichen Bäumen reicht oft die fachgerechte Entfernung durch einen spezialisierten Betrieb. Bei großflächigem Befall entlang von Straßen, in Parks oder Wäldern, wie er 2026 in mehreren Bundesländern gemeldet wird, liegt die Entscheidung über großflächige Maßnahmen jedoch bei der zuständigen Kommune oder dem Grundstückseigentümer. Einen Überblick über gängige Bekämpfungsmethoden und wann welche sinnvoll ist, findest Du unter Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Aktuelle Meldungen aus deiner Region kannst Du außerdem in der Übersicht nach Niedersachsen, Bayern, Hessen oder Brandenburg einsehen.
Häufige Fragen
Warum ist der Befall 2026 in vielen Regionen so stark?
Ein überdurchschnittlich warmes, sonniges und vor allem im April trockenes Frühjahr hat die Entwicklung und das Überleben der Raupen begünstigt. Fachleute sprechen deshalb von einer Ausbreitung, die so nicht vorhergesehen wurde.
Warum werden Spielplätze gesperrt?
Bei starkem Befall in der Nähe können Brennhaare durch Wind aufgewirbelt werden und auch ohne direkten Kontakt mit den Raupen Reizungen verursachen. Vorsorgliche Sperrungen sollen vor allem Kinder von diesem Risiko fernhalten.
Welche Bekämpfungsmethoden werden dieses Jahr eingesetzt?
Je nach Region kommen Nematoden-Spritzmittel, das Absaugen von Nestern, Pflanzenschutzmittel und Bakterienpräparate wie Bacillus thuringiensis per Hubschrauber zum Einsatz, teilweise auch das direkte Abflammen von Raupen und Nestern.
Betrifft der starke Befall ganz Deutschland gleichermaßen?
Nein. Regionen wie Coburg, der Rheingau, der Landkreis Lüneburg und weite Teile Brandenburgs melden eine deutliche Verschärfung, während Städte wie Düsseldorf und München bislang nur geringen Befall registrieren, auch aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden.
Was soll ich tun, wenn ich in meiner Umgebung einen starken Befall entdecke?
Halte Abstand zu den befallenen Bäumen, informiere die zuständige Kommune oder den Grundstückseigentümer und melde den Fund zusätzlich über unsere Meldeseite, damit er auf der Karte sichtbar wird.